3HäuserProjekt – Gemeinsam für bezahlbaren Wohnraum

50 Neubauwohnungen, die dauerhaft dem Immobilienmarkt entzogen sind und so günstige Mieten garantieren – ein Traum? Drei Häuser, in denen die BewohnerInnen selbst entscheiden, in denen sie gemeinschaftlich und solidarisch leben – reine Phantasie? Nein! In drei neuen Projekten des Mietshäuser Syndikats  planen rund 50 Menschen ihre eigenen Mietshäuser, die ab August 2015 im Baugebiet Gutleutmatten gebaut werden – Wohnraum für rund 150 Kinder und Erwachsene.

Heiß umkämpft waren die Grundstücke im Neubaugebiet Gutleutmatten in Freiburg-Haslach. Schöne Schrebergärten mussten einem der letzten innenstadtnahen Wohnquartiere weichen. Der Widerstand gegen die Bebauung war nicht von Erfolg gekrönt, aber durch drei Projekte des Mietshäuser Syndikats wird zumindest ein (gar nicht so kleiner) Anteil an solidarischem Wohnraum verankert. Sie konnten mit einem hohen Anteil von Sozialwohnungen und dauerhafter Mietpreisbindung im Bewerbungsverfahren punkten. Zudem werden alle Wohnungen barrierefrei sein und in jedem der drei Häuser sind eine Rollstuhl gerechte sowie eine für Flüchtlinge reservierte Wohnung fest eingeplant. Im größten der drei Häuser entsteht auch eine Kindertagesstätte.

LAMA – Luftschloss – schwereLos
Die drei Hausvereine sind aus unterschiedlichen Initiativen entstanden: Im Hausverein LAMA sind MieterInnen aus der Langemarckstraße in der Unterwiehre organisiert. Seit dem Verkauf ihrer Häuser an eine Investorengruppe sind sie von Gentrifizierung bedroht. Mehrere Versuche, die Häuser selbst in Kooperation mit dem Mietshäuser Syndikat zu erwerben, scheiterten. Die Gruppe Luftschloss sucht seit Jahren nach einer bezahlbaren Immobilie für ein gemeinschaftliches Hausprojekt in Freiburg. Der Wunsch nach selbstbestimmten Wohnen, nach Gemeinschaft und dem solidarischen Teilen von Ressourcen hat sie als Gruppe zusammengebracht. SchwereLos ist die „jüngste“ Gruppe im 3HäuserProjekt. Die Kaufoption für das Grundstück, auf dem schwereLos bauen wird, hat der Bauverein “Wem gehört die Stadt?” e.V. – ein wohnungspolitisch aktiver Ableger des Mietshäuser Syndikats – im Losverfahren gewonnen. Mit diesem gewichtigen Partner bekommen die schwereLosen fachliche Unterstützung, z.B. in Finanzierungs- oder Architekturfragen, sozusagen frei Haus mitgeliefert. Als 3HäuserProjekt verfolgen die drei Gruppen eine gemeinsame Idee und trotzdem sind es drei eigenständige Häuser mit drei (auch rechtlich) eigenständigen Hausvereinen/GmbHs im Hintergrund. In regelmäßigen Treffen und Arbeitsgemeinschaften stimmen die Gruppen ihr Vorgehen miteinander ab, loten aus, wo Synergien entstehen können, und gehen den gemeinsamen Weg zu solidarischem Wohnen.

Das liebe Geld
Neubau in Freiburg ist nicht gerade billig: Rund zwölf Millionen werden die drei Häuser samt der Grundstücke kosten. Wie können das Menschen finanzieren, die kaum Eigenkapital besitzen und gerade deshalb auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind?

Einen großen Posten machen zinsfreie Landeskredite für sozialen Wohnungsbau aus, die jedoch erst fließen, wenn das Grundstück bereits gekauft ist. Hinzu kommen Fördermittel der KfW für energetisch anspruchsvolles Bauen und Barrierefreiheit. Auch ganz gewöhnliche Bankkredite zur Baufinanzierung sind einkalkuliert. Für diese ist jedoch
Eigenkapital nötig, das die künftigen MieterInnen selbst nicht besitzen. Als Ausweg aus
dem Dilemma bietet sich eine Abkürzung an: der Direktkredit. Menschen, die das Projekt kennen und unterstützenswert finden, können Ersparnisse direkt bei der Hausbesitz-GmbH anlegen – frei nach dem Motto: “Lieber 1.000 Freunde im Rücken als eine Bank im Nacken.” Insgesamt rund vier Millionen Euro brauchen die drei Projekte bis zum Grundstückskauf im August 2015 – knapp 300.000 Euro sind schon zusammen.

Direktkredite sind viele kleine (und auch größere) Beträge ab 500 Euro, die UnterstützerInnen dem Projekt zu moderaten Zinsen von bis zu zwei Prozent leihen.
Laufzeiten der Kredite und Kündigungsfristen können individuell vereinbart werden. Die Mieteinnahmen fließen dann in Zins und Tilgung, wie auch bei einem ganz “normalen” Mietshaus, nur dass eben keine Traumrenditen auf dem Rücken der MieterInnen erwirtschaftet werden. So bleiben die Mieten auf Dauer sozialverträglich.

Solidarisch gegen Immobilienspekulation
Die Beteiligung des Mietshäuser Syndikats garantiert, dass die Häuser dauerhaft dem Immobilienmarkt entzogen bleiben, denn das Syndikat hat ein Vetorecht gegen Verkauf.

Über 80 Projekte sind deutschlandweit auf diese Weise schon realisiert worden. Zu den bekanntesten in Freiburg zählen beispielsweise das Grether und die SUSI. Im Sinne eines solidarischen Verbundes stellen ältere Projekte neuen Initiativen ihr Know-how – und nicht selten auch Geld – zur Verfügung. Gerade in Freiburg, einer Stadt knappen und teuren Wohnraums, leistet jedes neue Syndikatsprojekt einen Beitrag zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung. In diesem Sinne: Sie wissen nicht, wohin mit Ihrem Geld? Leihen Sie es doch einfach dem 3HäuserProjekt!

Weitere Infos unter www.3haeuserprojekt.org und www.syndikat.org
Kontakt: info{ät}3haeuserprojekt.org oder
3HäuserProjekt, c/o Bauverein ‘Wem gehört die Stadt?’, Adlerstr. 12, 79098 Freiburg

 

 

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