10 Jahre Bildung für nachhaltige Entwicklung in Baden-Württemberg: wie geht es weiter?

Unter dem Titel “Zukunft gestalteN!” fand am 3. Dezember 2014 im Hospitalhof Stuttgart das 3. baden-württembergische Symposium zur Bildung einer nachhaltigen Entwicklung statt, um auf die zahlreichen Projekte und Initiativen der vergangenen 10 Jahre UN-Dekade “Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zurückzublicken und gleichzeitig neue Ideen vorzustellen, um den Prozess nachhaltiger Bildungsarbeit fortzuführen.

Ein Angebot von Vorträgen, Diskussionen und Praxisbeispielen informierte zum Thema Nachhaltigkeit und regte zur weiteren Auseinandersetzung an. Das Symposium diente als Plattform für den gegenseitigen Austausch. Zur Teilnahme waren Vertreter aller Bildungsbereiche aufgerufen, die das Thema Nachhaltigkeit in ihre eigene Bildungsarbeit mit einfließen lassen wollen. Es fand außerdem ein Markt der Möglichkeiten statt, auf dem verschiedene Aussteller über besondere BNE-Projekte informierten. Aus Freiburg waren insbesondere Solare Zukunft e.V. und die Ökostation Freiburg vertreten.

Nachmittags stellten Referentinnen und Referenten in fünf Foren zu den Vertiefungsbereichen “Lernort Schule“, “Lehrerbildung“,  “Biologische Vielfalt“, “Wirtschaft/Konsum” und “Eine Welt” verschiedene BNE-Projekte vor und gaben spannende Impulse für die praktische Umsetzung. Die Besucherinnen und Besucher dieser Foren konnten sich in den anschließenden Diskussionsrunden mit ihren Fragen direkt an die jeweiligen Ansprechpartner wenden, sich inspirieren lassen oder eigene Ideen einbringen.

BNE Baden-Württemberg
Publikationen der UN-Dekade im BNE-Portal

Baden-Württemberg entwickelte 2005 und 2009 im Rahmen der UN-Dekade 2005-2014 “Bildung für nachhaltige Entwicklung” eigene Aktionspläne: “Zukunft gestalten – Bildung für nachhaltige Entwicklung in Baden-Württemberg“.

Der aktuelle Landesaktionsplan für das Land Baden-Württemberg wurde 2009 in in Kooperation mit dem Netzwerk Nachhaltigkeit lernen erstellt. Im Sinne der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes werden unter dem Titel “Zukunft gestalten” sowohl Handlungsdefizite als auch Handlungsbedarf im Bereich der BNE dargestellt. Der Aktionsplan benennt dabei nicht nur Leitlinien und Ziele sondern auch konkrete Maßnahmen, damit Nachhaltigkeit in Zukunft in alle Bildungsbereiche gelangen soll.

Im Zuge der Gründung des Beirates für nachhaltige Entwicklung der Landesregierung wurde u.a. die Arbeitsgruppe Bildung für nachhaltige Entwicklung (AG BNE) gegründet, die folgende konkrekte Handlungsempfehlungen formuliert hat:

  • Bildung für nachhaltige Entwicklung in den Schulen;
    BNE sollte als ein Lern- und Handlungsfeld etabliert werden, das fächerübergreifenden wie fächerverbindenden Unterricht ebenso umschließt wie das fachgebundene Lernen.
  • Bildung für nachhaltige Entwicklung
    in der Lehreraus- und -fortbildung;
    Lehrpläne und Lehrerbildungsprogramme sollen so umorientiert werden, dass BNE sowohl in berufsvorbereitende als auch in berufsbegleitende Programme integriert wird;
  • Bildung für nachhaltige Entwicklung als allgemeine Bildungsaufgabe;
    Verankerung des Leitbildes Bildung für nachhaltige Entwicklung in die Landesverfassung und ins Schulgesetz sowie in die Werteerziehung;
    Lehrerinnen und Lehrer sind BNE-Multiplikatoren für zukunftsorientiertes Lernen.
  • Bildung für nachhaltige Entwicklung und außerschulische Einbindung:
    Um Verbindlichkeit in den Kooperationen zu stärken, sollte eine Rahmenvereinbarung zwischen dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport (sinnvollerweise in Kooperation mit dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, dem Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren sowie dem Staatsministerium) und außerschulischen Organisationen der BNE sowie den Organisationen der Kinder- und Jugendarbeit geschlossen werden. Diese sollte Modalitäten empfehlen, Mindeststandards für Kooperationen definieren und finanzielle Rahmenbedingungen klären. So könnten die Zugänge (lokaler) außerschulischer Akteure im Bereich der BNE zu den Schulen erleichtert werden.
    In diesem Zusammenhang ist der Ausbau der internetbasierten Datenbank außerschulischer Bildungsangebote im Kontext der BNE weiter zu unterstützen. Über Kooperation hinausgehend sind Initiativen, die Schulen in den Kontext von nachhaltigen Bildungslandschaften stellen. Modellhaft diese innovative Entwicklung zu erproben, ist für eine zukunftsfähige Bildung als Notwendigkeit anzusehen. Bisher ist die Entwicklung von lokalen Bildungslandschaften (Bildungsregionen) – wenn sie stattgefunden hat – nur punktuell unter der Einbeziehung von BNE erfolgt (z. B. Naturschule Ortenau in der Bildungsregion Offenburg).
    Ziel sollte der Auf- und Ausbau lokaler bzw. regionaler, die BNE integrierenden Bildungslandschaften (Bildungsregionen) sein.
  • Bildung für nachhaltige Entwicklung in der beruflichen Bildung:
    BNE ist ein Leitprinzip der Bildungsplanreform 2015 an allen allgemein bildenden Schulen. Hierauf aufbauend ist dieses Leitprinzip auch bei anstehenden Weiterentwicklungen der Bildungspläne beruflicher Bildungsgänge zu beachten. Es ist zu prüfen, inwieweit die im Rahmen des Projekts “Vielfalt und Chancen in der Einen Welt” (Umsetzungsprojekt zum “Orientierungsrahmens für den Lernbereich Globale Entwicklung im Rahmen der BNE”) an beruflichen Vollzeitschulen gewonnenen Ergebnisse, auf die Berufsschule übertragen werden können. Aktuell gibt es viele Aktionsprogramme und Modellversuche – beispielsweise “BBS futur 2.0“, die darauf angelegt sind BNE in die berufliche Bildung zu integrieren. Diese Aktivitäten sollen erhoben, bewertet sowie auf Relevanz für die berufliche Ausbildung in BW geprüft werden.

 

Zukünftig wird sich die AG BNE verstärkt auf die Bereiche Elementarbildung und betriebliche Ausbildung konzentrieren.

 

Für LehrerInnen steht umfangreiches Lehrmaterial rund um das Thema Nachhaltigkeit zur Verfügung. Es gibt spezielle Lernmodule für Berufsschulen und Themenhefte für den Sekundarbereich. Hier downloaden und im Unterricht einsetzen.
Themen sind:

  • Behinderung / Gleiche Chance für alle
  • Diversity / Interkulturelle Kompetenzen
  • Energie / Klimawandel und Energiesparen; Ressourcen / Rohstoffe
  • Marketing und Wirtschaft / Fairtrade und Textilproduktion
  • Nahrung / Regionale und saisonale Lebensmittel
  • Soziale Sicherung / Demografischer Wandel
  • Warenkorb / Globalisierung und Konsum
  • Wasser / Krankheiten und Wassermangel
  • Geld und Nachhaltigkeit
  • Lärm; Stadt; Nachhaltige Mobilität
  • Klimawandel in Baden-Württemberg

PS: in Freiburg fand am 16. November 2014
an der Pädagogischen Hochschule
ein Aktionstag “Zivilgesellschaft und Schulen
der Arbeitsgruppe “Bildung im Wandel” statt.

This entry was posted in Allgemein and tagged , , , , , , , , . Bookmark the permalink.